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“Zu einhundert Prozent Berlinerin”

Andrea Balkow ist zweite Vorsitzende des Kulturvereins “Alte Dorfschule Rudow e.V.”.

Wenn ich Ihnen verschiedene Ebenen vorschlage: Ihren Kiez (Rudow), Ihren Bezirk (Neukölln), Ihre Stadt (Berlin), Deutschland oder Europa. Wo würden Sie sich verorten?

Berlin. Zu einhundert Prozent. Durch Leben, Beruf, durch alle möglichen Sachen. Ich reise gerne, schaue mir alles an, mein Lebensmittelpunkt ist Berlin. Dieses Multikulti, die Möglichkeit nach Neukölln zu fahren und dort mir meine frisch gerösteten Nüsse zu holen, die Möglichkeit in die Oper zu gehen oder was auch immer. Da kann keine andere Stadt in Deutschland mithalten. Ich bin Berlinerin, zu einhundert Prozent. Aber an zweiter Stelle bin ich Europäerin. Ich habe dieses Europa begrüßt – nur leider nicht das, was daraus geworden ist.

Was meinen Sie damit?

Es wird immer nationalistischer, obwohl man es Europa nennt. Es ist sehr schade darum.

Wie blicken Sie denn auf Europa?

Ich komme aus der Wirtschaft. Jeder, der mal einen Markt gesehen hat, weiß: ein Markt funktioniert auch mit zehn Bäckern. Warum haben wir also so eine Angst? Warum brauchen wir diese ganzen Schranken und Grenzen? Wir brauchen Spielregeln, das ist die Bedingung dabei. Aber abgesehen davon ist Europa für mich eine sinnvolle, vielleicht sogar noch viel zu kleine Region.

Welche Rolle spielt dann Deutschland für Sie?

Wir sollten endlich aufhören mit diesem „Wir haben Schuld auf uns geladen“. Ich glaube, das ist etwas, das ist jetzt lange genug her. Es soll nicht verschwinden, um Gottes Willen, die Geschichtsbücher, die Denkmäler, die Stolpersteine müssen bleiben. Aber ich kann nichts dafür. Mein Vater war im Krieg ein kleines Kind. Das heißt, wir müssen uns nicht entschuldigen, wenn wir weltpolitisch den Mund aufmachen, das hat mit dem zweiten Weltkrieg nichts mehr zu tun.

Junge Politiker, und zwar mit Verstand und Herz, wären für mich der Traum, dass diese alte Riege von Politikern, von Seilschaften, von Verbindungen endlich verschwinden würde. Und die Generation, die jetzt in der Mitte des Lebens steht, für die nächste Generation und für die Zukunft sorgt.

Die Fragen stellte Philipp Lemmerich.

Titelbild: John Worth on Flickr, (CC BY 2.0)

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