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Dirk Schuck

Wissenschaftlicher Beirat, Projekt „PoliLab“

Studium: Universität Frankfurt am Main, Magister Artium in Philosophie, Universität Leipzig, Doktor (Dr. phil.) in Politikwissenschaft

Dirk Schuck ist im wissenschaftlichen Beirat des Forschungsprojekts PoliLab.

Viele Menschen haben ihr Vertrauen in die Politik verloren, und das nicht ganz zu Unrecht. Über viele Jahre sind die Lebensverhältnisse weiter Bevölkerungsteile schlechter geworden, während ihnen gleichzeitig erzählt wurde, dem sei nicht so. Ein perfektes Rezept dafür, dass sich eine Menge Wut aufstaut. Vergleichbare Situationen hat es in der Gesellschaftsgeschichte seit frühester Zeit gegeben. Die politische Reform, die der Einführung der antiken Demokratie in Athen vorausging, war die Abschaffung der Schuldversklavung: dass man nicht mehr dafür versklavt werden konnte, den Schuldendienst nicht mehr bedienen zu können. Eine Politik, die wieder glaubhaft werden will, muss ein ernsthaftes Interesse daran haben, den ökonomischen Druck, der auf vielen Existenzen heute lastet, zu lindern, und nicht noch zu verschärfen. Für Montesquieu, der heute nur noch für seine Theorie der Gewaltenteilung bekannt ist, aber noch viele weitere Überlegungen anstellte, müssen demokratische Gesellschaften vor allem zwei Affekte bändigen können, sonst brechen sie auseinander, nämlich zum einen die Furcht vor den Anderen, den Fremden, kurzum allen, die man nicht kennt und nicht einzuschätzen weiß. Das andere Gefühl, das nicht überhand nehmen darf, ist der Neid. Dieser wird größer, je unüberwindbarer die Kluft zwischen denen, die herrschen, und denen, die beherrscht werden, erscheint. Die Idee der Demokratie beruht darauf, über diese Kluft eine „soziale Brücke“ zu bauen.