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Mario Futh

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projekt „PoliLab“

Studium: Universität Leipzig, Politikwissenschaft (M.A.), Universität Leipzig Philosophie (B.A.)

Mario Futh ist für die Erhebung in Sachsen zuständig und übernimmt das Projektmanagement im Forschungsvorhaben.

„Fragen nach Entfremdung, Teilhabe und Zugehörigkeit beschäftigen mich nicht nur als Forschender. Ich bin im Oderbruch in Brandenburg aufgewachsen und stamme aus einer Arbeiterfamilie. Zukunftsfragen und das Gefühl politisch vergessen zu werden, sind mir aus meinem persönlichen Umfeld bekannt. Aus den ersten Interviews, die wir durchgeführt haben, weiß ich, dass sich Argumente und Worte, die ich aus Brandenburg kenne, auch in Sachsen wiederfinden. Die Gemeinsamkeiten überwiegen die Unterschiede.

Manchmal fühlt es sich an wie eine Rückkehr ins altbekannte Umfeld: Ich komme aus einer Gegend, in der viele Menschen die Folgen der Wiedervereinigung im alltäglichen Leben stark zu spüren bekommen haben. Arbeitsplätze sind verloren gegangen, Bahnverbindungen wurden eingestellt und Schulen, Kinos oder kleine Geschäfte, die vorher das Dorf- und Stadtbild geprägt haben, geschlossen. Das hat vielen den Menschen nicht nur Lebensqualität genommen, sondern auch das Gefühl gegeben, keiner kümmere sich um sie.

Für mich ist es daher auch nicht verwunderlich, wenn sich Menschen in solchen Situationen rechte Gedanken und Logiken aneignen, die Identität und einfache Lösungen versprechen. Ich wurde recht früh mit Rechtsextremismus in meinem sozialen Umfeld konfrontiert und habe gesehen, wie er politisch vor allem bei jungen Menschen fruchtett, die ihre sozialen Realitäten nicht ausreichend thematisiert sehen.

Meiner Meinung nach fördert gerade die Abwesenheit von Gesprächsangeboten die Verhärtung des politischen Spektrums. Das ist der Grund warum wir qualitative Interviews mit offenen Fragen führen, um direkt von den Menschen, also der Bevölkerung, Antworten und ihre Sicht der Dinge zu hören. Mit ihnen zu sprechen fördert die Möglichkeit, ein Verständnis zu schaffen und Problemlagen nachzuvollziehen.

Vom Projekt erhoffe ich mir zudem, dass wir über die Gespräche hinaus unterschiedliche Menschen an einem Tisch zusammenbringen. Ich wünsche mir einen neutralen Gesprächsraum, in dem die konstruktive Frage gestellt wird: ‚Wie können wir weitermachen? ’ Politische Teilhabe, die über ein Kreuzchen am Wahlsonntag hinausgehen soll, braucht das Vertrauen darauf, dass die Beteiligung an einer lokalen Gemeinschaft von Bedeutung ist und Wirkung haben kann.

Vor meiner Tätigkeit im Forschungsprojekt habe ich eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in Frankfurt am Main gemacht und war danach ein Jahr lang in Leipzig im Beruf tätig. Während meines Studiums beschäftigte mich die Frage, wie sich Identitäten und Subjekte konstituieren. Wichtig ist für mich dabei der Praxisbezug – sei es in Form einer praktischen Untersuchung im Forschungsprojekt oder durch die Organisation und Koordination von wissenschaftlichen Vorhaben.”

“Wenn wir von der Universität – aus der Großstadt – kommen, dann kommen wir nicht, um auf die Menschen herabzuschauen, im Gegenteil: Wir wollen von ihnen erfahren, was bei ihnen vor Ort los ist. Aber nicht nur, welche Sorgen und Probleme gibt es, sondern auch welche schönen Seiten die unterschiedlichen Regionen haben.”

Mario Futh

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