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Philipp Lemmerich

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projekt „PoliLab“

Studium: Universität Leipzig, Politikwissenschaft (M.A.), Universität Kiel, Politikwissenschaft und Soziologie (B.A.)

Philipp Lemmerich leitet den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und ist für die Erhebung in Berlin zuständig.

„Bis vor wenigen Jahren klagten viele Menschen meiner Generation darüber, wie langweilig der Politikbetrieb geworden sei. Partizipation sei schön, gut und wichtig, aber wofür solle man denn heute noch kämpfen, es sei doch alles gesagt. Auch ich habe bestimmt einmal so gedacht.

Heute erzählen dieselben Leute, dass wir wieder für unsere Ideale kämpfen müssen. Unser Lebensentwurf, der uns so selbstverständlich erschien, sei in Gefahr, die Demokratie löse  sich auf, und freiheitsrechtliche Errungenschaften stünden auf der Kippe. Auch mir sind diese Gedanken nicht fremd.

Wie ist es möglich, dass ich mir in grundsätzlichen politischen Einschätzungen innerhalb weniger Jahre so grundsätzlich widerspreche? Mir zeigt dieses Beispiel an meiner eigenen Person, wie eng Emotionen mit politischen Meinungen verbunden sind und wie stark sie mögliche Entscheidungen prägen. Wir beurteilen Situationen, auch politische, anhand von Affekten oder Stimmungen, ohne sie zuvor ausgiebig hinterfragt zu haben.

Was also ist passiert, dass Menschen wie ich heute glauben, in einer historisch anderen Situation zu leben als noch vor fünf Jahren? Die Temperatur des Diskurses hat sich geändert. Debatten wurden hitziger, Rhetoriken wurden grober und die Argumente kantiger. Innerhalb dieser aufgeladenen Stimmung lassen wir uns viel stärker dazu hinreißen, unverhandelbare Positionen zu beziehen und andere auszuschließen.

Ein Träger für Emotionen dieser Art ist das Konzept der „Nation“. Für manche ist die Nation der Fels in der Brandung der Globalisierung, für andere ein Synonym von Rassismus und Gewalt. Manche sagen, sie sei exklusiv, „Es könnten ja schließlich nicht alle kommen“ – andere hingegen halten sie für eine bloße Erfindung. Es ist eine Kontroverse darüber entstanden, wer wir sind und wer dazugehören darf. Die Diskussion wird mit lauter Stimme geführt, nicht selten wird dem Gegenüber die Existenzberechtigung abgesprochen.

Vielleicht kann der nüchterne Blick der Wissenschaft helfen. Wir wollen mit Menschen ins Gespräch kommen, Fragen stellen, ohne zu bewerten. Die Ergebnisse daraus dienen uns als Grundlage für Diskussionsveranstaltungen und Bürgerkonsultationen. Dort wollen die Menschen zusammenbringen, die normalerweise nicht miteinander diskutieren.

An den „Politischen Laboratorien“ reizt mich besonders die Möglichkeit, zu einer Mäßigung des Diskurses beizutragen und für ein gegenseitiges Verständnis zu werben. Im Forschungsprojekt bin ich für die Erhebung in Berlin zuständig.

Darüber hinaus versuche ich, die Ergebnisse unserer Forschung mit Blogbeiträgen, Pressearbeit und Veranstaltungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.”

“Die Temperatur des Diskurses hat sich geändert. Innerhalb dieser aufgeladenen Stimmung lassen wir uns viel stärker dazu hinreißen, unverhandelbare Positionen zu beziehen und andere auszuschließen.”

Philipp Lemmerich

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